Gedanken über 18 Jahre Projektarbeit „Ubuhlobo“

Seit wenigen Wochen sind wir nun wieder zurück aus Südafrika, wo wir unser 18. Workcamp in Folge durchführen konnten. Aufbauend auf den Erfahrungen, Ergebnissen und Erfolgen, aber auch, wenn auch nur ganz wenigen,  Misserfolgen  der letzten Jahre, haben wir auch in diesem Jahr wieder an einigen Schwerpunkten gearbeitet: Erste Hilfe Ausbildung im Bereich des Sarah Baartman Districts, im Walmer Township, verschiedenen Kirchen und Restaurants, Heimen für behinderte Menschen. Daneben Arbeit im Kindergarten und viele Begegnungen mit Jugendlichen , Jugendorganisationen und der normalen Bevölkerung.

Das besondere Ziel des Ubuhlobo Projektes ist es ja ,junge Menschen   verschiedener Herkunft, verschiedener Kulturen und Rassen zusammen zu bringen und miteinander und voneinander zu lernen. Dies sollte uns wieder einmal gelungen sein, wie wir gerade am Ende unseres Aufenthaltes erkennen konnten.

Im Walmer Township, in verschieden Restaurants, im Sarah Baartman District waren wir sehr erfolgreich mit unserem Angebot der Erste Hilfe Kurse. An vielen Orten, wo Touristen in der Regel nicht hinkommen, waren wir nicht nur die ersten Weißen, die entsprechend bestaunt wurden, sondern wir brachten auch noch etwas mit: kostenfreie Ausbildung. Unsere Kurse waren immer sehr gut besucht und wir konnten das große Interesse der Menschen auch daran erkennen, dass sie uns geradezu „aussaugten“ und auch nach den Kursen noch Fragen stellten. Es war eine nachhaltige Arbeit, die wir ablieferten.

Neu kam in diesem Jahr hinzu, dass wir auch für das ADDO Elephant Park Management in Zukunft arbeiten sollen (Erste Hilfe Ausbildung)..

Erschreckend aber war für uns doch der geringe Wissensstand der Menschen in Bezug auf Erste Hilfe und die Tatsache, dass in einem Land wie Südafrika der Zugang zu solchem Wissen nur schwer möglich ist. Auch das Gesundheitswesen, vor allem in den ländlichen Gebieten, von dem uns berichtet würde, war für uns erschreckend. Umso mehr unser Engagement in diese Richtung. Die Wünsche, die an uns herangetragen wurden, haben wir an die zuständigen Stellen weitergegeben.

Wir werden in Zukunft noch mehr Zeit und Arbeit dahingehend einsetzen, dass wir noch mehr unserer Angebote im Bereich Erste Hilfe machen werden. Gerade in den ländlichen Gebieten, wo ein Krankenwagen schon einmal mehrere Stunden benötigt um zu einem Erkrankten oder Verletzten zu kommen, ist die Vermittlung von Wissen über Erste Hilfe Maßnahmen nicht nur wichtig, sondern auch lebensrettend.

Wir konnten den Menschen vor Ort nicht nur die einfachsten lebensrettenden Maßnahmen zeigen, sondern waren Ihnen auch behilflich,  Ausbildungsmaterial (Dummies, Literatur usw.) preisgünstig oder kostenlos zu beschaffen.

Es war besonders bemerkenswert, wie sich meine Teilnehmer/innen verhalten haben. Ungewohnten Unterricht in einer fremden Sprache abzuhalten, ist letztendlich nur machbar, wenn man sich ausführlich mit der Materie beschäftigt hat und dies dann auch noch mehrfach geübt hat. Da alle der Teilnehmer/innen aus unserem Schulsanitätsdienst hervorgegangen sind, war der Erfolg ihrer Arbeit vorhersehbar. Aber auch die Motivation dazu muss vorhanden sein! Das Team hat sich bewährt!

Neben der Wissensvermittlung gab es aber auch viele Gespräche mit unseren Kursteilnehmern/innen. Auffallend war, wie eigentlich in jedem Jahr, dass es mehr Frauen waren, als Männer, die unsere Kurse besuchten.

Ich glaube, dass auf beiden Seiten, bleibende Eindrücke entstanden sind und wir alle voneinander haben lernen dürfen.

Ja, es war eine kraftraubende Zeit, die allen Beteiligten eigentlich alles abverlangte. Aber darauf waren sie ja vorbereitet. Da immer wieder Pausen und Freiräume gegeben wurden, haben alle dies auch ganz gut überstanden. Wir waren ja zur Arbeit in Südafrika und nicht, um Urlaub zu machen. Dennoch kam auch der Freizeitaspekt nicht zu kurz. Die verschiedenen Besuche in Nationalparks und die Einladungen hatten Erholungscharkter. Mit neuer Kraft konnte es dann weitergehen.

An dieser Stelle sei aber auch einmal Dank gesagt, an alle, die solche Aufenthalte möglich machen!

Da steht an erster Stelle das Team der Teilnehmer/innen, die sich auf ein „Abenteuer“ in einem fremden Land einlassen und die dieses Abenteuer hervorragend gemeistert haben!

Dann das Landesjugendpfarramt in Kaiserslautern, der Sarah Baartman District,  unsere Schule (Gymnasium im Alfred Grosser Schulzentrum in Bad Bergzabern) und der Malteser Hilfsdienst in Speyer, ohne deren Hilfe und Unterstützung dieses Projekt nicht möglich wäre! Ganz herzlichen Dank an alle!

Wir werden weiter bemüht sein als „hervorragende Botschafter unseres Landes“, wie es der Municipal Manager des Sarah Baartman Districts gegenüber unserer Landrätin ausgedrückt hat, zu sein und den Freundschaftsgedanken, der in unserem Projektnamen steckt, sowohl in Südafrika als aber auch in Deutschland, den Menschen näher zu bringen.

Nach 26 Begegnungen in den letzten 18 Jahren, ist es Zeit, auf diese Jahre zurückzublicken und über die weitere Zukunft nachzudenken.

Es war in all den Jahren nicht leicht, dieses Projekt über die bürokratischen Hürden zu bringen. Als wenn die Organisation und fachliche Vorbereitung eines solchen Projekts nicht schon genug Arbeit mit sich bringen, so wurde die Arbeit oft durch – für uns meist unerklärliche – bürokratische Hindernisse sehr erschwert. Es ist wohl wenig bekannt, dass die Arbeit eines ehrenamtlich engagierten Menschen sich doch wesentlich von der eines hauptamtlichen unterscheidet. Während der hauptamtliche Projektleiter sein Projekt von seiner Arbeitsstelle aus leitet und dabei in der Regel seinen ganzen Verwaltungsapparat kostenlos und uneingeschränkt nutzen kann, ohne dabei z. B. bei Abrechnungen ins Detail gehen zu müssen, ist dies dem ehrenamtlichen Projektleiter nicht möglich. Da er in der Regel alle seine Arbeiten von zuhause aus erledigt, muss er auch die anfallenden Kosten aus seinen eigenen, privaten Kosten herausrechnen. Hier türmen sich die ersten „Problemberge“ auf: wie z. B. rechnet man über ein Jahr Internetkosten (e-mails …. ) ab, wenn man über eine Flatrate verfügt? Pauschale Abrechnungen werden nicht nur nicht anerkannt, sondern können auch zum Programmausschluss führen. Fehler darf man sich als Ehrenamtlicher auch nicht leisten, denn auch dies kann zum Programmausschluss führen. Dabei macht dieser Ehrenamtliche seine arbeit ausschließlich in seiner Freizeit, neben seiner normalen Arbeit und da kann schon einmal ein Fehler unterlaufen.

Wer kennt sich schon im Dschungel der Paragraphen, Formblätter und Verordnungen aus? Auch hier wird penibel auf die genaue Einhaltung geachtet nund eventuelle Fehler bestraft. Oft gehen diese Vorschriften am speziellen Projekt vorbei oder sind zu allgemein gehalten. Daraus ergibt sich dann oft ein weiteres Problem: nicht die Vorschriften können an das spezielle Projekt angepasst werden, sondern das ganze Projekt muss auf die Vorschriften zugeschnitten werden, ob das letztendlich Sinn macht oder nicht.

Wenn man dann irgendwann völlig desillusioniert alle diese Hindernisse sieht, dann fragt man sich, warum man sich dies eigentlich antut und wie man unter diesen Voraussetzungen andere – hier junge Menschen – motivieren soll.

Dank oder Anerkennung der Arbeit gibt es auch nur selten und wenn, dann spärlich!

So bleiben eigentlich nur als Motivation der Dank und die Anerkennung der Partner und der Teilnehmer/innen. Dies tröstet über so machen traurigen Moment, wo man einen Antrag zurück bekommt, weil an einer oder zwei Stellen an Stelle von „Teilnehmer/innen“ nur „Teilnehmer“ steht oder wei9l ein Punkt im Sachbericht nicht ausgefüllt war, weil es sachlich nichts auszufüllen gab.

Man lernt, dass man auch Antworten geben muss, wo es keine geben kann!

Auch das Genehmigungsverfahren solcher Projekte lässt sehr zu wünschen übrig. Man muss seine Anträge fristgerecht schon im Oktober eines Jahres einreichen, um dann vielleicht im Juli/August des folgenden Jahres eine Zusage für das Projekt  im Oktober des gleichen Jahres zu erhalten. Wie soll man da planen, Tickets bekommen, Unterkunft organisieren, Impfungen erledigen usw.?

Wenn man hier nicht in Eigeninitiative und auf eigenes Risiko alles gleich nach der Antragstellung erledigt, dann hat man kaum eine Chance auf eine erfolgreiche Durchführung eines Projektes.

Ist man dann zurück, müde und ausgelaugt von der Arbeit, dann wird innerhalb von vier Wochen die vollständige Aufarbeitung des Projektes verlangt, wobei dies kaum möglich ist, da ein Teil der anfallenden Kosten erst später zustande kommen kann und alle multiplikatorischen Arbeiten aus verschiedenen Gründen erst 6 – 8 Wochen nach der Rückkehr durchgeführt werden können. Auch sollte man bedenken, dass der mehrwöchige Arbeitsaufenthalt in einem fremden Land eine gewisse Zeit der Verarbeitung benötigt und eigentlich erst dann die Berichte erstellt werden können.

So gibt es sehr viele Probleme, die zu lösen sind und vielerlei Hindernisse zu überwinden. Da macht sich dann mehrjährige Erfahrung positiv  bemerkbar, die es leichter macht, mit diesem Problem umzugehen!

Es sind aber die seltenen Momente, wenn man sich mit den Teilnehmer/innen gemeinsam zurück erinnert und über die geleistete Arbeit nachdenkt. Es ist eigentlich die Sache und das gemeinsame Anliegen, das uns dann doch dazu bringt, die Arbeit fortzusetzen und den „Kampf“ erneut aufzunehmen. Man muss schon sehr motiviert  und idealistische eingestellt sein, um nicht vorzeitig aufzugeben und zu resignieren.

Um der beteiligten jungen Menschen auf beiden Seiten willen, macht man dann eben weiter und versucht, das Projekt weiter zu entwickeln und die gesteckten Ziele zu erreichen.

Hier möchte ich allen, die uns in der Vergangenheit unterstützt haben und uns in Zukunft unterstützen, meinen herzlichen Dank sagen. Ohne euch geht das nicht!

Die derzeitige politische Lage in Deutschland in Bezug auf Flüchtlinge aus anderen Ländern, macht es mir – auch aus Sicherheitsgründen für eventuelle Gäste – nicht möglich,  derzeit ein Begegnungsprogramm in Deutschland durchzuführen bzw. zu planen. Die Verantwortung dafür kann ich derzeit nicht übernehmen. Schade eigentlich, denn die bisherigen Begegnungsprogramme waren sehr erfolgreich.

Zusammenfassend darf ich sagen, dass ich diese 18 Jahre, die ich, zusammen mit vielen jungen Menschen verschiedener Herkunft und Kultur, habe in diesem Projekt verbringen dürfen, nicht missen möchte. Ich glaube, dass wir alle sehr viel in dieser

Zeit voneinander und miteinander gelernt haben und hoffe, dass wir dies auch alles umsetzen können.

Über das Projekt hinaus habe ich mich mit unseren Freunden in Südafrika, im Rahmen von privaten Aufenthalten, bislang weitere 18-mal getroffen.