Erste Hilfe in Südafrika

 

Im Oktober des Jahres 2016 reiste ich zusammen mit fünf anderen Schülerinnen und einem ehemaligen Schüler unserer Schule, unter der Leitung von Rolf Meder nach Port Elizabeth in Südafrika. Die Reise fand im Rahmen des Ubuhlobo-Projektes statt, bei welchem wir durch Erste-Hilfe-Kurse Entwicklungshilfe leisten wollten. Die Erfahrungen die wir durch unsere Arbeit und durch den Kontakt mit den Menschen machten, ließen uns als Gruppe zusammenwachsen und stellten für uns Schüler/innen einen enormen Gewinn dar.

„Don’t laugh! In a few minutes you will all look like me!“, kündigte Herr Meder an, während an ihm der Kopfverband vorgeführt wurde. Wenige Minuten später konnte man circa 20 Afrikaner beobachten, wie sie den Verband scherzend, aber bemüht an ihrem Partner ausprobierten. Schon in der ersten Hälfte des Kurses waren alle Kursteilnehmer gut eingespannt gewesen und mussten die stabile Seitenlage und die Herzdruckmassage an einem Partner, beziehungsweise an einer Puppe üben, doch nun war Fingerfertigkeit bei dem Anlegen von Verbänden und Pflastern gefragt. Alles was wir vormachten, wurde genau beobachtet, nachgemacht und manchmal sogar mitgeschrieben. „What do you do when…?“, war einer der Sätze den wir in den Kursen oft zu hören bekamen. Gerne gingen wir auf Fragen ein oder spezialisierten ein Gebiet, wenn das Interesse vorhanden war. So behandelten wir in Restaurants die Themen Verbrennungen und Verschluckungen, während wir auf dem Land eher auf Fälle wie Schlangenbisse oder Sonnenstich eingingen.

„Wir helfen den Leuten sich selbst zu helfen“, erklärte uns Herr Meder während unseres Aufenthaltes oft. Wir Schüler waren aufgrund der Sprachdifferenzen gezwungen unsere Themen in Englisch zu erklären, doch durch die Herzlich- und Freundlichkeit der Menschen und durch die Tatsache, dass auch das Englisch der Einheimischen nicht perfekt war, konnten wir unsere Unsicherheit schnell ablegen. „Es ist wirklich erstaunlich wie uninformiert die meisten Menschen hier über lebensrettende Maßnahmen sind“ stellte eine meiner „Mitstreiterinnen“ fest. Durch Unterhaltungen mit den Leuten in den Kursen erfuhren wir nämlich wie mittelalterlich die Denkensweise bezüglich medizinischer und ersthelfender Maßnahmen war. So vermutete beispielsweise eine Mutter, sie müsse ihrem Kind im Falle eines Schlangenbisses das Gift aus der Wunde saugen. „Und was machen Sie dann?“, fragte Herr Meder darauf hin nur, „Dann sind Sie nämlich selber vergiftet!“

Uns als Schüler/innen machte es richtig froh den Menschen in dieser Hinsicht helfen zu können, zumal wir uns zusätzlich noch sehr gut mit unserem „Publikum“ verstanden. Oft passierte es, dass die Teilnehmer die Verbände an uns ausprobieren wollten, oder uns nach dem Kurs noch um ein Foto baten.

Interessant war es für uns auch immer zu sehen, unter welchen Bedingungen wir die Kurse abhielten. Ob in Restaurants, in heruntergekommenen Schulen, einer zur Kirche umfunktionierten Garage oder in einem Rathaus, mitten in der Wüste… es war alles dabei!

Unsere Arbeit in Afrika beschränkte sich allerdings nicht nur auf das Abhalten von Erste-Hilfe Kursen. Wir hielten uns ebenso viel im Township in Walmer (Port Elizabeth) und im Sarah Baartman District(Landkreis) auf und besuchten Kirchen, die wir (zum Beispiel mit neuer Ausstattung) unterstützten oder halfen zwei Erzieherinnen im Kindergarten beim Betreuen und Bespaßen der Kinder. Auch die Erfahrungen im Township waren für uns sehr prägend und eindrucksvoll, da wir in sehr engen Kontakt mit den Menschen und deren Lebensverhältnissen gerieten. Wenn wir mit unserem Bus durch die holprigen Straßen des Townships fuhren, sahen wir links und rechts heruntergekommene Blechcontainer, kleine Häuser, von denen der Putz abbröckelte und Kinder, die im Müll auf der Straße spielten und sich nicht selten einen Spaß daraus machten aus Langeweile die abgemagerten, streunenden Hunde zu quälen. Dieser Anblick war für uns trotz unserer Vorkenntnisse über Afrika erschreckend.  Auf der anderen Seite sahen wir aber auch Menschen, die unseren Bus schon von weitem erkannten und winkend auf uns zuliefen um uns zu begrüßen. „Thank you for coming!“ und „We love you!“, wurde uns häufig herzlich zugerufen.

Ein Mann ist mir bei einer solchen Begegnung besonders in Erinnerung geblieben. Er kam in der Kirche auf mich zu und sagte mir auf Englisch: „Ihr Deutschen, ihr seid so gut organisiert und ihr habt meistens einen Plan. In Afrika läuft nicht alles gut, aber dafür haben wir Afrikaner die Liebe und die können wir euch geben.“ Diese Aussage wurde mehrfach während unserer Anwesenheit bewiesen: Beim Betreten der Kirche sangen die Leute für uns, klatschten und küssten uns manchmal sogar die Hände und auch während der Gottesdienste sprangen die die Männer und Frauen auf und nahmen uns an den Händen, um mit uns zu tanzen, zu singen und uns ihre „afrikanische Liebe zu geben“.

Doch auch in den Kindergärten machte sich diese freundliche Mentalität schon bei den Jüngeren bemerkbar. Anders als man es aus deutschen Kindergärten kennt, waren auch die Kleinsten schon bei unserem ersten Besuch ohne Scheu, rannten uns entgegen und freuten sich mit uns zu spielen. Die leuchtenden Augen, die uns anstrahlten, nachdem wir ihnen ein Klettergerüst in den Garten bauen ließen und es im Anschluss bunt anmalten, werde ich nie vergessen.

Allerdings gab es hier auch vereinzelt Kinder, die auffällige Verhaltensweisen aufwiesen. Ein kleiner Junge weinte pausenlos und schlug die anderen Kinder, ein anderes redete nicht. Wir erfuhren, dass diese Kinder schon in ihren jungen Jahren traumatisiert oder psychisch geschädigt durch Vorkommnisse im Elternhaus waren. Obwohl uns natürlich vor unserer Anreise bewusst war, dass wir auf solche Fälle stoßen könnten, stellte diese Tatsache trotzdem einen Schock für uns dar.

Während unseres gesamten Aufenthaltes in Südafrika gab es keinen einzigen Tag, an dem wir nicht mindestens einen Programmpunkt hatten. Demnach sahen wir auch eine ganze Menge vom Land, der Stadt und der näheren Umgebung. Wir besuchten unter anderem den ADDO-Elephant Park und den Kragga-Kamma-Park, wo wir viele afrikanische Tiere sahen. Außerdem gingen wir noch an den Strand und badeten dabei sogar einmal im indischen Ozean. Das Highlight stellten allerdings die drei Tage in Kapstadt dar, die wir als unseren „Urlaub“ bezeichneten und in denen wir gefühlt ganz Kapstadt besichtigten. Irgendwann war unsere Zeit in Port Elizabeth jedoch auch wieder vorbei und wir mussten Abschied nehmen. Uns zu Ehren wurde als Abschiedsgeschenkder Kirche ein Choir-Festival abgehalten, bei dem uns fünf Stunden Tanz und Gesang geboten wurden.

 

Am Tag der Abreise gab es allerdings für uns erneut eine ganz besondere Überraschung: Die Gemeindemitglieder der Kirche zahlten sich von ihrem wenigen Geld ein Taxi und fuhren zu uns an den Flughafen, um sich noch einmal von uns zu verabschieden. Vor dem versammelten Flughafen sangen sie noch ein letztes Mal „Thank you Rolf and his students“ und bedankten sich somit erneut auf rührende Art und Weise für unser Kommen. Die Reise in das für viele von uns unbekannte Land hatte sich gelohnt! Das lag nicht nur an den gesammelten Eindrücken und Erfahrungen, sondern auch daran, dass wir als Gruppe immer fester zusammenwuchsen und gemeinsam viel Spaß hatten. Keiner von uns wird die Zeit in Afrika vergessen und wir alle haben, denke ich, etwas für unser Leben mitgenommen. Insbesondere die Mentalität und die Herzlichkeit der Menschen, wird bestimmt jedem von uns lange in Erinnerung bleiben. (Maya Engel)

 

 

 

 

 

 

Ubuhlobo bei Wettbewerb „Jugend Engagement RLP 2016“ „Sich einmischen- was bewegen“

Beim diesjährigen Jugend-Engagement-Wettbewerb des Landes Rheinland-Pfalz haben wir mir Erfolg teilgenommen. Wie wir gerade erfahren haben, sind wir unter den Preisträgern. Am Freitag, dem 03.02.2017 findet in der Staatskanzlei in Mainz die Übergabe der Preise durch die Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, statt. Wieder ein großartiger Erfolg unseres „kleinen“ Projekts! Wir freuen uns auf die Preisverleihung! Janine, Rosanna, Larissa, unser Schulleiter – Herr Allmann- und ich werden teilnehmen.