Beschluss über eine Namensänderung für unser Jugendbegegnungsprojekt

Nach reiflicher Überlegung haben wir beschlossen, den Namen unseres Begegnungsprogramms von ( Versöhnung) in ( Freundschaft ) zu ändern. Zu den Gründen:

1.) Es erscheint uns zwischenzeitlich angemessener den Begriff „Freundschaft“ für unser Projekt zu verwenden, da unser Antrieb eigentlich Freundschaft zu Jugendlichen im Walmer Township ist und nicht Versöhnung. Der Begriff Versöhnung setzt einen Streit oder begangenes Unrecht voraus. Wir haben, wenn überhaupt, allenfalls als Angehörige der weißen Rasse ganz allgemein mit dem Unrecht, das den schwarzen Menschen in Südafrika angetan wurde, zu tun. Wir können aber in unserem Handeln und in der Begegnung mit den jungen Menschen keine Versöhnungselemente erkennen, sondern wir wollen vielmehr den Freundschaftsgedanken in den Vordergrund stellen. Wir anerkennen, dass der Begriff „Versöhnung“ für die weißen Südafrikaner und alle diejenigen Menschen, welche das Unrechtsregime der Apartheid unterstützt haben, angebracht ist.

Wir sind weiterhin der Auffassung, dass wir unseren Partnern auf gleicher Augenhöhe und unter dem Freundschaftsaspekt begegnen sollten. So können auch Missverständnisse vermieden werden, wie sie immer wieder im Zusammenhang mit der Begründung für unser Engagement vor Ort, aufgetreten sind. Wir wollen als Freunde vor Ort sein und helfen und nicht unsere Arbeit als Wiedergutmachung verstanden wissen!

2.) Als im Jahr 1998 der erste Kontakt mit dem Xolelanani Youth Centre über die Pfarrer Edinger und Nkesiga zustande kam, gab es noch eine Idee, an deren Verwirklichung wir mitgestalten wollten: Begegnung zwischen Jugendlichen verschiedener Rassen und Kulturen zum Zwecke des gegenseitigen Verstehens, Lernens und Respektierens.

Es gab innerhalb des XYP auch noch eine gewisse pädagogische Betreuung durch Pfarrer Edinger bis 1999 und dann noch Pfarrer Nkesiga bis 2000 und es gab eine schriftlich niedergelegte Vision, die wir unterstützen konnten. Mit dem Wegzug von Pfarrer Edinger ( nach Deutschland ) und Pfarrer Nkesiga ( in eine andere Kirchengemeinde weit weg ) gab es einen Bruch. Zwar versuchte man noch 2000 und 2001 mit deutschen Freiwilligen so eine Art Notbetrieb aufrecht zu erhalten, aber es zeigte sich ganz deutlich ein neuer Weg und ein gewisses Chaos herrschte vor. Mit dem Weggang der beiden Gründer ( Nkesiga und Edinger ) fiel auch die pädagogische Betreuung, die vorher schon spärlich war, nun ganz weg. Mit der langen Umbauphase der Halle, der Hilflosigkeit der freiwilligen Helfer, war dann jegliche Jugendarbeit am Ende. Die deutschen Freiwilligen verstanden es nicht, eine pädagogisch fundierte Jugendarbeit aufzubauen. Genau genommen richteten sie durch ihr Verhalten mehr Schaden an, als nützliche pädagogische Aufbauarbeit zu leisten.

So wurde die Halle mehrfach aufgebaut, teilweise wieder abgerissen und wieder aufgebaut. Viel Zeit und Geld wurden unnötig verschwendet. Zwischenzeitlich ist die Halle in einer abgespeckten Version fertig und steht allen möglichen Gruppen als Raum zur Nutzung ihrer verschiedenen Interessen zur Verfügung. Die ursprüngliche Idee ist weit von jeder Realisierungsmöglichkeit entfernt. Mittelpunkt des XYP ist heute die kommerziell geführte Töpferei, die mehr als die Hälfte der Halle in Anspruch nimmt und nicht organisierte Jugendarbeit. Den Rest der Halle teilen sich Feeding Scheme und verschiedene Gruppen, wie Tanzgruppe, Chor und andere. Alle Gruppen arbeiten scheinbar nebeneinander. Es gibt auf den ersten Blick keine Koordination im Sinne einer gemeinsamen und übergeordneten Jugendarbeit. Einzig im Feeding Scheme kann pädagogisch fundierte Jugendarbeit beobachtet werden, weshalb wir hier weiterhin unterstützend tätig sind und mit den jugendlichen Helfern und den jungen Müttern hier besonders gut zusammenarbeiten.

Seit 2001 hat sich auch die Verantwortlichkeit im XYP geändert, was eine weitere Abkehr vom Prinzip der Jugendarbeit und den ursprünglichen Zielen der Gründer bedeutet. Ein neues, schriftlich niedergelegtes, Konzept ist uns bislang noch nicht bekannt geworden. Es gibt wohl noch einen Verantwortlichen aus der Reihe der ehemaligen Trusties, der aber hauptsächlich mit „seiner“ Töpferei beschäftigt ist. Allenfalls ist noch eine Art Hausmeister ( Koordinator ) vor Ort, der aber ebenfalls keinerlei erkennbare pädagogische Arbeit zu leisten scheint, sondern sich hauptsächlich um die Baulichkeiten und die Raumnutzung kümmert. Wir konnten bis zum Herbst 2002 feststellen, dass nun niemand mehr in Bezug auf eine Jugendbegegnung und Jugendarbeit ansprechbar bzw. verantwortlich war und gemeinsame Unternehmungen nur noch schwer oder gar nicht durchzuführen waren. Wenn nicht andere Menschen verantwortlich eingesprungen wären ( Lunga Dyani, Xolani Thabatha und andere ) und wir selbst nicht kräftig an der Programmgestaltung vor Ort mitgewirkt und selbst organisiert hätten, dann wäre unser Projekt frühzeitig gescheitert.

Wir waren auf die organisatorische Hilfe der Schulen und Kirchen angewiesen, weil das XYP in dieser Hinsicht gänzlich ausfiel. So haben wir in den letzten Jahren der besonderen Situation vor Ort Rechnung getragen, indem wir Jugendliche selbst ausgesucht und eingeladen haben, die sowohl im Jugendzentrum tätig waren, als auch der Zanamafa High School angehörten und die wir mehr oder weniger zufällig im Township bei unserer Arbeit oder bei unseren Kirchenbesuchen kennen lernten. In Lunga Dyani, einem (ehemaligen?) Trustie des XYP, fanden wir auch eine Person, die in der Jugendarbeit tätig ist und als Betreuer für die von uns ausgesuchten Jugendlichen fungierte.
Zusätzlich kam noch Xolani Thabatha hinzu, der, neben der Arbeit als Lehrer, in der Jugendarbeit im Township tätig ist. Es haben sich weitere junge Menschen ( Betreuer ) aus den verschiedenen Kirchen angeboten.

Wir wollen nun in den nächsten Jahren versuchen, diese Jugendlichen unter dem Begriff „Ubuhlobo“ zu einem Projekt zusammenzufassen und haben dazu auch schon Gespräche geführt. Als potentielle Partner kommen die verschiedenen Kirchen unter der Führung der Anglikan Church und die neue High School ( Zusammenschluss aus Zanamafa und Vernon Gamanda High School ) in Betracht. Weitere vorbereitende Gespräche darüber werden im März 2003 von Frederic Siebenhaar, Petra und Rolf Meder geführt werden. Wir wollen auch versuchen, Xolani Thabatha als unseren Koordinator vor Ort zu gewinnen. Seine Bereitschaft hat er schon erkennen lassen.

Es ist wiederum der besonderen Situation des Townships Rechnung zu tragen, dass es eigentlich keinen festen Partner gibt bei dem wir alle Jugendlichen organisiert finden. Viele finden wir in den Schulen und Kirchen mit fester Bindung, andere aber nur zeitweise und in lockerer Bindung im Jugendzentrum. Das Jugendzentrum kann nicht mehr mit einem Jugendtreff nach unserem Vorbild verglichen werden, sondern es ist ausschließlich eine Räumlichkeit, die, wie schon gesagt, von verschiedenen, unter- schiedlichen Gruppen genutzt werden kann. Es gibt keine festen Bindungen der Jugendlichen an das Zentrum, allenfalls an die eigene Interessengruppe. Gemeinsame Ziele und Zusammenarbeit der verschiedenen Gruppen sind derzeit nicht zu erkennen. So können wir uns auch nicht mehr mit dem XYP und seiner Art der „Jugendarbeit“ identifizieren und steigen partiell aus. Da weder Klaus-Peter Edinger von Deutschland aus, noch Solomon Nkesiga vor Ort in der Lage sind die Organisation unserer Partner zu gewährleisten, werden wir uns einen anderen kirchlichen Partner suchen, der die Jugendlichen betreuen kann. Wir werden weiterhin die Arbeit des Feeding Schemes ( Kindergarten ) unterstützen und hier besonders mit den jungen Müttern und den jugendlichen Betreuern zusammenarbeiten wie bisher.

Die Vision der Gründer des XYP ist nicht in der Weise in Erfüllung gegangen, wie sie es sich selbst vor Jahren erhofft hatten. Das war aber eigentlich auch abzusehen nach dem Weggang von Klaus-Peter Edinger und Solomon Nkesiga. Wir haben die Entwicklung besorgt verfolgt und immer noch auf eine Wende gehofft. Leider aber haben sich unsere Hoffnungen in dieser Hinsicht nicht erfüllt, so dass wir uns nun gezwungen sahen, gegenzusteuern, da wir diese Entwicklung nicht mitverantworten wollen. Sinnvolle und für alle Seiten erfahrungsreiche Jugendarbeit und daraus folgend Jugendbegegnungen sind unser Ziel!

Um auch unseren Trägern und Sponsoren und ihren Statuten und Anforderungen Rechnung zu tragen, mussten wir uns zu diesem Schritt entschließen. Wir werden weiterhin im Walmer Township arbeiten und uns mit Jugendlichen treffen und austauschen. Wir werden weiterhin junge Menschen aus Port Elizabeth zu uns einladen, um mit ihnen gemeinsame Zeit zu verbringen, gemeinsam zu lernen und gemeinsame Erfahrungen zu machen und an gemeinsamen Zielen zu arbeiten.

Wir werden allerdings in Zukunft offen sein für alle interessierten Jugendlichen aus dem Walmer Township ( nicht nur aus dem Umfeld des XYP ), die sich mit uns treffen wollen und die an einem Austausch von Erfahrungen interessiert sind und mit uns zusammen an gemeinsam Zielen arbeiten und mit uns zusammen voneinander lernen wollen.

Bad Bergzabern, den 28.04.03
Rolf Meder